Ostdeutscher Rock

An der folgenden Übersicht ostdeutscher Musiker und Bands kann man erkennen, dass sich die Rockmusik vor allem in den siebziger Jahren innerhalb der DDR bekannt machte.

Die Geschichte der Rockmusik in der DDR

Die Rockmusik entwickelte sich aus der Beatmusik, die in den sechziger Jahren ihren Höhepunkt hatte. Zuerst war der Unterschied zwischen den beiden Stilrichtungen nicht sehr groß. In den späten Siebzigern wurde aus der anfänglichen Bewegung jedoch ein immer speziellerer Stil.
Viele Rockbands, wie die „Puhdys“, „Karat“ oder „Silly“ entstanden um 1970. Zuerst war der Stil der Rockmusik nicht ganz landestypisch, was die meisten sonstigen Musikstile der DDR auszeichnete, da der westliche Rock als Vorbild galt. Dies änderte sich im Laufe der Jahre. Aufgrund guter Ausbildung waren die Musiker auch dazu fähig, klassische Elemente in die Rockmusik einzubauen, die für andere ausländische westliche Bands eher unüblich waren – von den textlichen Themen ganz abgesehen, die in der DDR natürlich eine ganz eigene Rolle spielten. Dadurch erreichte die Musik eine unverkennbare Originalität.

Die Bevölkerung der DDR folgte der musikalischen Hinwendung zum Rock gerne. An unten stehenden Band- oder Musiker Biografien lässt sich erkennen, dass in den siebziger Jahren viele Titel der Rockbands von der Bevölkerung in die Hitlisten befördert wurden.

Diese Bewegung wurde durch das staatliche Musiklabel „Amiga“ gefördert. Allein in drei Jahren zum Anfang der siebziger Jahre wurden 25 Langspielplatten veröffentlicht.
Im Jahre 1973, als die Weltfestspiele in der DDR stattfanden, wurden die Regeln zur Kontrolle der Texte und der Rockmusik kurzzeitig gelockert. Dadurch sollte ein weltoffenes Bild von der DDR vermittelt werden. Viele Rockbands durften in dieser Zeit auftreten, um die Gäste zu unterhalten. Viele der Lieder, die in der Zeit erlaubt waren, wurden jedoch später wieder verboten.

Es gab Bands, die ohne irgendeinen Hintergedanken Musik machen wollten, aber auch solche, die durch die Musik und die Texte die politische Situation in der DDR verändern oder zumindest ihre Hörer auf solche Probleme aufmerksam machen wollten. Aufgrund staatlicher Prüfung war dies jedoch kein leichtes Unterfangen. Geschickte Textschreiber versuchten zahlreiche Anspielungen in die Texte einzubauen, wodurch ein Spielverbot nicht zu befürchten sein sollte.
Die „Klaus Renft Combo“, auch genannt „Renft“, trieb dieses Spiel zu weit. Im Jahre 1975 wurde ihnen ein Auftrittsverbot erteilt.

Rock-Bands

Berluc (1974-heute)
Die fünfköpfige Rock ‚n‘ Roll Band existiert seit 1974 bis heute mit einer kurzen Pause von ca. 1989-1993. Die aus Anlass des 35 jährigen Jubiläums erschienene neueste CD ist „Rocker von der Küste (Nr. 2)“.

City (1972-heute)
Der Gitarrist Fritz Puppel gründete diese Band zusammen mit dem Schlagzeuger Klaus Selmke. Drei Jahre nach der Gründung besetzte Fritz Puppel die Band mit zwei neuen Musikern. In dieser Besetzung hatte die Band nach weiteren drei Jahren mit dem Lied „Am Fenster“ ihren größten Erfolg.

Dirk Zöllner (1962-heute)
Dirk Zöllner wurde in einer musikalischen Familie geboren. Mit 18 Jahren begann er seine musikalische Karriere als Sänger und Gitarrist, indem er auf kirchlichen- und kulturellen Wettbewerben auftrat. Mit 22 Jahren rief er seine erste Band „Chirocee“ ins Leben ehe er 1987, drei Jahre später, seine zweite Band „Die Zöllner“ gründete. Nicht nur vor der Wende war er bekannt, sondern blieb auch danach in Ost und West beliebt. Anfang 2012 startete eine Konzertreise durch Deutschland.

Electra (1969-heute)
Bernd Aust gründete diese Rockband mit vier Freunden. Die Musikrichtung der Band war nicht nur ausdrucksstarker Rock sondern auch moderne, klassische Musik. Neben dem Flötist und Saxophonisten Bernd Aust war der Sänger Stephan Trempte der prägendste Musiker in der Geschichte der Band. Er war maßgeblich am Erfolg des Titels „Tritt ein in den Dom“ beteiligt.

Franz Barztsch (1947-2010)
Franz Barztsch war neben seiner Tätigkeit als Musiker in der Band „Veronika Fischer & Band“ außerdem als Komponist tätig. Er machte sich durch herausragende Kompositionen, unter anderem „Dass ich eine Schneeflocke wär“, das ein Erfolgstitel wurde, einen Namen. Auch Filmmusik komponierte er. Das bis heute jedem bekannte Lied „I feel good“ stammt ebenfalls von ihm. 2010 starb er an Herzversagen.

Gundermann & Seilschaft (1992-heute)
Die Band „Gundermann & Seilschaft“ setzt die Ideen Gerhard Rüdiger Gundermanns nach seinem Tod bis in die heutige Zeit fort. Zum Publikum der Band gehörte seit jeher musikalisch anspruchsvolles, kritisches Publikum. Die Band kreiert noch heute Lieder, die auf ähnlich hohem Niveau sind. Sie war vor allem auf Konzertreisen der Band „Silly“ mit dabei.

IC Falkenberg (1960-heute)
IC Falkenberg wurde 1960 unter dem bürgerlichem Namen Ralf Schmidt geboren. Seine ersten Erfahrungen als Sänger machte er in einem Chor und schon mit 14 Jahren in seiner ersten Band. 1983 durfte er zusammen mit der Band „Stern Combo Meißen“ auftreten und komponierte für die Band Lieder, die auf den Ranglisten gute Platzierungen erreichten. Parallel zu seiner Aktivität in der Band machte er sich unter dem Künstlernamen „IC“ bekannt. Sein neuestes Album kam 2010 unter dem Namen „Hautlos“ auf den Markt.

Joco Dev Sextett (1967-1982)
Das Joco Dev Sextett wurde von Jörg Schenkel und Detlef Lübke als Quartett gegründet. Aus dem Vornamen der Mitglieder, Jörg, Conny und Detlef, wurde der Name abgeleitet. Das Quartett wurde zum Sextett, da sich die Band mehr oder weniger mit den „Brightles“ fusionierte. „Stapellauf“ wurde 1971 von Amiga aufgenommen und wurde das bekannteste Lied der Band.

Karat (1975-heute)
Die Rockband Karat kann man nach den „Puhdys“ als bekannteste ostdeutsche Band ansehen. Ihr erfolgreichster Titel „Über sieben Brücken musst du gehen“, der 1979 erschien, ist nicht nur in Ostdeutschland bekannt. 1992 erhielt die Band für das Album „Vierzehn Karat“ die Goldene Schallplatte.

Karussell (1976-1994; 2007-heute)
Die große Karriere der Band startete drei Jahre nach der Gründung. 1979 gab die Bands erstmals viele Konzerte und nahm mit dem staatlichen Label „Amiga“ einige Songs auf. Der Stil der Band ist melodiebetonter Rock. In den Jahren ihres musikalischen Höhepunktes, um 1987, startete die Band auch Konzertreisen durch das Ausland. Den Startschuss für ein Comeback gab Wolf-Rüdiger Raschke im Jahre 2007. Das letzte Album erschien 2011 und heißt „Loslassen“.

Keimzeit (1980-heute)
Zuerst trat die Band unter dem Namen „Jogger“ auf. Zwei Jahre nach der Gründung benannte sich die Band jedoch in „Keimzeit“ um. Die Band war in den ersten neun Jahren zunächst eine Band, deren Mitglieder alle aus einer Familie kamen. Die einzige Frau in der Band verließ die Band wegen der Geburten zweier Kinder. Norbert Leisegang übernahm das Komponieren und war außerdem der Frontmann. Nachdem die ersten 17 Jahre schleppend vorangingen, gibt die Band seit 1997 mit steigender Erfolgsquote jedes Jahr Konzerte.

Lift (1973-heute)
Die Band erlitt 1978 einen schweren Schicksalsschlag: zwei Bandmitglieder verunglückten tödlich auf einer Tournee. Von diesen Gefühlen geprägt schrieb die Band das Lied „Am Abend mancher Tage“, das prompt zum Hit gewählt wurde. Nachdem sich drei weitere Bandmitglieder 1984 verabschiedeten, musste zunächst eine neue Bandbesetzung gefunden werden. Ihre neue CD „Lift unplugged“ erschien 2000.

Pankow (1981-heute)
Die Band entstand aus der „Veronika Fischer Band“ oder „4 PS“. Diese nahm 1981 einen Frontsänger auf und nannte sich fortan „Pankow“ nach dem Stadtbezirk Berlins. Das beliebteste Album der Band heißt „Aufruhr in den Augen“ und erschien 1988. Ihr zuletzt erschienenes Album heißt „Neuer Tag in Pankow“ und kam 2011 auf den Markt.

Petra Zieger (1959-heute)
Petra Zieger ist Sängerin und trat bis 1982 alleine auf und gewann einige Preise. Seit 1982 gibt sie jedoch auch international mit einer nach ihr benannten Band Konzerte. Ihr erfolgreichstes Lied erschien 1989 und trägt den Titel „Das Eis taut“. Das letzte Album kam 2007 unter dem Namen „Nimm mich“ auf den Markt.

Prinzip (1974-1990)
Schon im Jahre ihrer Gründung veröffentlichte die Band ihre erste LP namens „Amiga“. Neben Hardrock spielte die Band auch melodischen Rock. Ihr größter Hit war das 1978 aufgenommene Lied „Feuerrock“.

Proft (1993-heute)
„Proft“ ist eine von Frank Proft gegründete Band, die sich vor allem an dem Stil der „Puhdys“, auf deren Konzerten sie oftmals im Vorprogramm spielen durften. Lieder von Herbert Grönemeyer, „Westernhagen“ oder „Pur“ gehören ebenfalls zum Repertoire der Band. Das neueste Album ist „Ich will“.

Puhdys (1969-heute)
Die Puhdys sind die wohl bekannteste Rockband aus Ostdeutschland. Die fünfköpfige Band gab in über 20 Ländern Konzerte und verkaufte dort 18 Millionen Platten. In der DDR wurde sie zwölf mal zur beliebtesten Rockband gewählt.

Renft (1958-1975; 1990-heute)
Renft, oder auch „Klaus Renft Combo“, wurde 1958 von Klaus Jentzsch gegründet. Im Jahre 1964 wurde der Band ein Auftrittsverbot auferlegt, das jedoch drei Jahre später wieder aufgehoben wurde. 1975 bekam die Band ein endgültiges Auftrittsverbot. Im Westen fand die Wiedervereinigung der Bandmitglieder statt und die Band startete sogleich eine Konzertreise durch Ostdeutschland. In den Jahren 2006 bis 2008 kamen zwei Bandmitglieder und der Gründer der Band ums Leben. 2007 wurde eine nach der Band benannte Straße in Leipzig eingeweiht.

Rockhaus (1978-heute)
Rockhaus entstand 1978 durch die Fusion zweier Schulbands, die das selbst gesteckte Ziel hatte, die Nachfolger der Puhdys zu werden. Schon 1983 nahm die Band das erste Lied namens „Bonbons und Schokolade“ bei AMIGA auf. 1988 und 1989 erschienen zwei Hits der Band und die Band wurde zur besten Band des Jahres gewählt.

-> weitere Infos zu Rockhaus

Silbermond (1998-heute)
Silbermond ist eine der bekanntesten Rockbands Deutschlands. 2000 entstand die Band, nachdem sich die vier Musiker bei dem Jugendprojekt „Ten Sing“ getroffen hatten. Zuerst trug die Band den Namen „JAST“, der sich aus den Anfangsbuchstaben der Bandmitglieder zusammensetzt. Die Band gewann bei Wettbewerben in den Jahren 2000 und 2001 zwei erste Plätze und einen zweiten Platz. Bekannt machte sich die Band 2002, als sie als Vorgruppe der „Puhdys“ auftrat. Seit 2004 ist die Band deutschlandweit bekannt und weitet die Bekanntheitsgrenzen von Jahr zu Jahr aus.

Silly (1978-heute)
Die Rockband wurde 1978 unter dem Namen „Familie Silly“ gegründet. Nachdem die Band zunächst nur Lieder anderer Bands nachspielte, entstanden mit der Zeit zunehmend auch eigene Songs, die vor allem von Kurt Demmler komponiert wurden. So entstand auch ihr erster Hit „Der letzte Kunde“ . Die Erfolgsgeschichte der Band wurde vorerst durch zwei Todesfälle in den Jahren 1996 und 2005 aufgehalten. Vor allem vom Schock des Todes der Frontfrau Tamara Danz musste sich die Band erholen. Seit 2005 ist die Band mit der neuen Frontfrau Anna Loos, welche auch als Schauspielerin bekannt ist, wieder aktiv.

-> weitere Infos zu Silly

Six (1992-heute)
Die Band machte sich durch das Nachspielen von Liedern bis 2009 bekannt. Der Stil schwankt zwischen Hardrock, mit Liedern von Rammstein, und Rock, mit Liedern von Selig. Bis 2009 produzierte die Band ihr erstes Album, das unter dem Namen „Gefallene Engel“ herauskam und nur eigene Lieder beinhaltete. Das neueste Album „Narben und Souvenirs“ kam 2011 auf den Markt.

Stern Combo Meißen (1964-heute)
Die Band Stern Combo Meißen wurde 1964 von Martin Schreier, der noch heute mit der Band spielt, ins Leben gerufen. Musikalische Experimente waren elf Jahre lang die Hauptbeschäftigung der Band, bis sie 1975, als ihr Hit „Der Kampf um den Südpol“ erschien, eine Richtung gefunden hatte. Auch international gab die Band bis 1989 Konzerte. Nach sechs jähriger Pause wurde die Band von Detlef Seidel reaktiviert und nimmt seitdem wieder neue Lieder auf.

Tino Eisbrenner (1962-heute)
Timo Eisbrenner ist mit 19 Jahren in die Band „Jessica“ eingestiegen. Dort machte er als Sänger Karriere. 1986 veröffentlichte diese ihr erstes Album „Spieler“. 1989 setzte Timo Eisbrenner seine Karriere alleine fort, da die Band aufgrund politischer Verfolgung aufgelöst werden musste, und veröffentlichte das Album „Tino“. Internationale Konzertreisen veranstaltet Eisbrenner seit 1995. Seine Zusammenarbeit mit Indianern floss immer mehr auch in seine künstlerischen Werke mit ein.

Transit (1974-1989; 2009-heute)
Zuerst als Coverband gegründet, spielte Transit nach kurzer Zeit schon eigene Lieder. Ihr Stil orientierte sich anfangs an dem Stil Udo Lindenbergs. Durch seine Stimme, die der Stimme Udo Lindenbergs ähnlich war, prägte Egon Linde die Lieder der Band. Er war es auch, der zahlreiche Lieder für die Band komponierte. Musikalischer Misserfolg trieb die Band 1989 dazu vorerst aufzugeben. 2009 war das Jahr des Comebacks der Band. In einem Jahr produzierte die Band ein neues Album mit neuen Liedern unter dem Titel „Über’s Meer“.

Veronika Fischer (1951-heute)
Veronika Fischers musikalische Laufbahn begann, als sie mit 17 Jahren ein fünfjähriges Studium an der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ anfing. Während des Studiums sang sie für die Bands „Stern-Combo Meißen“ und „Karat“. Ein Jahr nach dem Studium gründete sie eine Band aus den musikalischen Eliten der DDR, mit welcher sie ihre musikalischen Höhepunkte feierte. Ihr neuestes Album heißt „Zeitreise“ und ist 2011 erschienen.

Wolfgang Ziegler (1943-heute)
Wolfgang Ziegler ist Keyboarder, Komponist, Sänger und Produzent. Er gründete die „Baltics“ und 1972 auch die Band „WIR“. 1986 trennte er sich von der Band und setzte seine Karriere alleine fort. Sein erfolgreichster Titel heißt „Verdammt!“. 2008 erschien das neueste Album „Alles & Jetzt“.

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